Winterlicher Großeinsatz bei Ehenbichler Alm – 11 Kinder sicher geborgen
Kurz nach 18:00 Uhr erreichte uns eine Einsatzmeldung, die selbst für erfahrene Bergretter kein Standardalarm war – wir mussten zweimal nachlesen: Verstiege Personen, darunter 11 Kinder mit zwei Erwachsenen, im Bereich der Ehenbichler Alm.
Ein Blick aus dem Fenster zeigte sofort, wie ernst die Lage war. Im gesamten Außerfern herrschte starker Schneefall, wie von den Wetterdiensten angekündigt, und das Thermometer zeigte Minusgrade an.
Unverzüglich rückten 11 Bergretter der Ortstelle Reutte mit Skitourenausrüstung ins Einsatzzentrum ein. Parallel dazu erfolgte durch die Einsatzleitung die telefonische Lageabklärung. Dabei stellte sich heraus, dass sich die Gruppe bei der zu diesem Zeitpunkt geschlossenen Ehenbichler Alm befand – stark durchnässt und bereits deutlich unterkühlt.
Die Gruppe bestand aus elf Kindern im Alter von 8 bis 15 Jahren sowie einer 20-jährigen und einem 21-jährigen Betreuer aus Deutschland. Geplant war eine Wanderung zur Reuttener Hütte im Gemeindegebiet von Reutte.
Für uns stand fest: Sofortiges Wärmemanagement und rascher Abtransport hatten oberste Priorität.
Zur Unterstützung alarmierten wir zusätzlich die Bergrettungsortstelle Berwang, die mit sieben weiteren Bergrettern Einsatzbereitschaft herstellte.
Um schnellstmöglich zur Alm zu gelangen, kontaktierten wir umgehend den Hüttenwirt, ob eine Zufahrt mittels Skidoo möglich sei beziehungsweise ob die Hütte geöffnet werden könne.
Mit zwei Fahrzeugen rückten wir aus. In kürzester Zeit konnten zwei Skidoos organisiert werden, um mehrere Bergretter zur Alm zu bringen. Die rund 50 cm Neuschnee stellten jedoch selbst für die Skidoos eine enorme Herausforderung dar – ohne vorhandene Spur kamen auch diese im weichen Untergrund an ihre Grenzen.
An der Alm angekommen, versorgten wir die Kinder und Betreuer umgehend mit Rettungsdecken und Wärmedecken. Der Hüttenwirt öffnete dankenswerterweise die Alm, sodass wir die Gruppe aus der Kälte bringen konnten. Dort wurden sie mit warmen Getränken versorgt.
Das Team im Tal organisierte währenddessen zwei weitere Skidoos, um einen Shuttle-Dienst einzurichten – insgesamt standen somit vier Skidoos im Einsatz.
Zeitgleich wurde das Rote Kreuz alarmiert. Innerhalb kürzester Zeit rückten 11 Mitglieder an und richteten im Gemeindesaal von Berwang eine Notunterkunft mit Feldbetten, Decken und Hygieneartikeln ein.
Sicherer Abtransport ins Tal
Nachdem sich die Lage stabilisiert hatte und die Kinder wieder ausreichend aufgewärmt waren, begannen wir mit dem Transport mittels Skidoo ins Tal. Dort wurden sie von weiteren Einsatzkräften übernommen und per Shuttle nach Berwang in die vorbereitete Notunterkunft gebracht.
Gegen 22:50 Uhr konnte der Einsatz schließlich erfolgreich abgeschlossen werden.
Im Nachhinein stellte sich heraus, dass die Gruppe bereits gegen 12:40 Uhr in Rinnen angekommen war. Trotz mäßigem bis starkem Schneefall starteten sie die Wanderung auf dem verschneiten Fahrweg in Richtung Hütte.
Aufgrund der winterlichen Verhältnisse verzögerte sich der Aufstieg erheblich, da durch den Neuschnee kein Weg mehr erkennbar war. Gegen 18:00 Uhr erreichte die Gruppe schließlich die zu diesem Zeitpunkt geschlossene „Ehenbichler Raaz Alm“.
Bereits die Anreise hatte sich durch winterliche Straßenverhältnisse verzögert. Die Betreuer entschieden sich schließlich richtig, die Tour abzubrechen und den Notruf abzusetzen.
Als die Kinder in der Hütte in Sicherheit waren, kümmerten wir uns um deren Rucksäcke – dabei zeigte sich das ganze Ausmaß der Situation: Die durchnässte Ersatzkleidung war bereits gefroren.
Fazit
Dieser Einsatz zeigte einmal mehr, wie schnell winterliche Bedingungen unterschätzt werden können – besonders mit Kindergruppen. Starker Schneefall, Minusgrade und fehlende Orientierungsmöglichkeiten machten die Situation äußerst kritisch.
Dank des raschen und koordinierten Zusammenwirkens der Bergrettungs-Ortstellen Reutte und Berwang, der Unterstützung durch den Hüttenwirt, der Hilfe der Bergbahnen Berwang sowie dem schnellen Aufbau einer Notunterkunft durch das Rote Kreuz konnten alle Beteiligten sicher ins Tal gebracht werden
